Der quatschende Kopf
Immer der Gleiche, aber mit vielfältigen Hüten und Geschwindigkeiten.
Auweh. Ja, wirklich. Auweh. Der gute Quassler.
Marco Breuer fragte mich, ob wir gemeinsam über etwas schreiben, und da ging’s auch schon los. Ratter, ratter. „Kannst du das?“ „Ne, kannst du doch nicht.“ „Aber du schreibst nie über ein davor gesetztes Thema.“ Laleluuu…
Gleichzeitig freute ich mich riesig über seine Nachricht und seine Tür, die er damit öffnete, und war wie ein kleines Kind, das vorm Süßigkeitenregal steht und sagt: „Jaaaaaa, bitte gerne!“
Ich sagte Marco, ich bin dabei und lass meinen Kopf jetzt einfach quatschen. Zack - kam Marco schon mit dem Thema „Quatschender Kopf“ um die Ecke, was auf die Sekunde resonierte. Tadaaaa.
„Oh. Und dann? Wo setz ich an? Wo geh ich lang? Es gibt so viele Straßen. Und in welche Richtung geht Marco? Passt das dann?“ Grrr. Lass uns mal aaatmen. Stopp, raus aus dem Loop, rein in die Tasten. Einfach schreiben, das, was kommt, sich zeigt. Wie immer.
Manchmal ist da ne quatschende Schreibmaschine, klack klack klack, 85.431 Tabs offen, davon 85.399 mit Querverweisen und manch absurden Gedankensprüngen.
Der Kopf. Der quatscht viel. Sehr viel. Aus vielen Ebenen. Durch Schichten.
Bekannte aus spirituellen Kreisen sagen mir öfter, ich darf runter. Runter vom Kopf. Wir lachen dann, weil, naja, nichts Neues bei mir. Ich weiß und spür’s. Weil mein System ständig so „Rauuuf“ sagt.
Früher war ich eine Zeit lang im „Leise Drehen“-Modus. Jetzt auf Gleich. “Jetzt meditierst aber mal.” Durfte feststellen, dass das nicht klappt, wenn ich auch nur ein kleines Fünkchen Widerstand aufbringe. Der Raum, das Feld darf sich dafür zeigen und gegeben sein. Ich gehe mit ihm, nicht gegen meinen Kopf. Dann klappt es auch, dass er generell mal für eine Zeit leiser wird.
Manche fragen mich: „Ist das nicht anstrengend, überfordernd?“ - aber nee, es ist für mich so… normal eben. Oft bekomme ich auch noch mehr Energie, wenn es lauter wird. Das spornt mich an. Nur manchmal, klar, da nervt’s auch.
An dieser Stelle sei aber auch erwähnt, er quatscht auch echt gute, inspirierende Dinge. Über Gott und die Welt und mich. Denken, Verknüpfen, Deuten, Analysieren - Hochprozessor, der von mir und von außen einfängt.
Ich find’s ja gut, dass der Kopf quatscht. Aber man darf halt lernen, mit ihm zu gehen bzw. den Guten nicht ständig bestimmen zu lassen. Er will ja zu gerne bestimmen und schützen, in alten Mustern bleiben, man kennt es.
Oft beobachte ich ihn. Beobachte mich.
Das Bewusstsein beobachtet sich beim Beobachten.
Und wenn’s denn mal überhandnimmt, bevor es mühsam zu werden scheint - ich spür da den Punkt, so kurz bevor man die letzten Schritte zum Gipfelkreuz zugeht, da pack ich auch mal die Gedanken und lass sie verpuffen. Dauert ne Sekunde vom Beschließen zum Handeln. Wie so eine Seifenblase, Nadel reingestochen plopp.
Oder manchmal setz ich die Gedanken auf Wolken und lass sie weiterziehen. Oder ich lenk den Fokus auf ne Blüte oder was auch immer. Da denk ich mir auch so: „Ne, Kopf, danke, jetzt nicht.“
Wenn der Kopf als Werkzeug benutzt wird und nicht führt, nicht der Chef wird - da. Da bleib ich echt gern. Heißt nicht, dass mir das immer gelingt. Menscheln und so. Doch mal so ein: „Komm, wir setzen uns jetzt an den Straßenrand und schauen Autos zu.“ Ich glaub, dann wird man auch gut befreundet.
Es gibt Momente, da muss ich dann einfach auch mal laut lachen, mit mir, über meine Gedanken, über das, was mein Kopf mir verklickern möchte. Manchmal sind sie verrückt, absurd, von irgendwo hergeholt, schräg oder so ein: „Dein Ernst?“
Manchmal glaub ich ihm auch, bis ich mich wieder erinnere - da war ja was.
Kommt auch vor, da gebe ich ihm einen Namen. Dem Köpfchen. Er hat keinen fixen. Mal ist es Hildegard, mal Herbert… was dann gerade reinkommt. Schafft dann auch Abstand zwischen uns. Der Abstand erzeugt Raum.
Fühlt sich auch an, als hätte ich einen Job angenommen, nach dem ich in der Art so nie gefragt habe. Der Job der regelmäßigen Einladung. Mein Kopf will frei rumfließen, ständig Dinge erzählen. Unfassbar neugierig sein. Mit mir entdecken. Aber sobald ich erkenne, zuhöre, bin ich nicht mehr ident damit. Die Identifikation fällt weg. Looooslassen.
Hin und wieder frag ich meinen Kopf: „Wie viel willst du eigentlich quatschen?!“ Ja ja, er quatscht eben auch richtig gutes, inspirierendes Zeug. Aber manchmal ist der Kumpel einfach anstrengend. Da bringt er mich an meine Grenzen und fordert mich raus. Oder nervt. Oder will mir Nachts von Quanten erzählen oder was ich am nächsten Tag in der Arbeit alles machen soll, oder dass ich morgen auf meine Ernährung besser achten darf.
Ich mein, das erscheint dir jetzt wichtig? Jetzt? Können wir das ein andermal besprechen und nicht, wenn ich in 3 Stunden aufstehen soll? Oder wenn er wieder etwas von 17 Seiten betrachten will und ich so „mh!?“ Oder, oder, oder. Quassler.
Ich begrüße Herausforderungen, auch mal durch den quasselnden Kumpel, doch manchmal übertreibt er einfach, das kann er nicht mal abstreiten, selbst wenn er es versuchen würde.
Manchmal hab ich auch das Gefühl, ich sitze in einem Auto, oder eher in einem kleinen Bus. Lauter Mitfahrer dabei, die glauben, sie müssen erzählen und erzählen, vom Tag, von dem, was sie aus dem Fenster sehen, von oben, unten, mittendrin, diagonal,… ich dabei und denk mir zwischendurch so: „Echt jetzt?“
Alles in allem und unter uns gesagt: Ich mag ihn. Den Geist, den Kopf. Selbst wenn er mir mal erzählen will, ich mag ihn nicht. Ich mag ihn dann trotzdem.
Ich mein, ich bin mit ihm hier. Immer. Er ist überall dabei, mittendrin. Ich habe diesen quatschenden Kopf gewählt. Ich mach ihn mir dienlich. Den quatschenden Kopf mit einer Prise spielerischer Leichtigkeit packen. Bringt mir nen Zauber mit, den es für mich braucht.
Und das Ende vom Lied? Ich hab einfach drauflos geschrieben.
Und jetzt sitzt er wieder da.
Mit neuem Hut. Der Kopf.
Und hat natürlich noch was zu sagen.
Schaut gerne bei Marco Breuer vorbei und in seinen sehr klaren Zeilen über den quatschenden Kopf. Eine Herzensempfehlung.
Hier erzählen verschiedene Köpfe dieselbe Geschichte - in ihren eigenen Farben, Geschwindigkeiten und Hüten. Wie sagte Marco: “Du schilderst das, was ich meine.” Du meinst das, was ich schildere. Sehr spannend und freut mich riesig, wie sich ein Text, Zeilen, ergänzen können. Und Danke für deine Tür, lieber Marco.



Danke dir für diesen wirklich wunderschönen Beitrag. Ich denke jeder kennt das auf die ein oder andere weise. Was wenn der Kopf nicht mehr aufhört. Danke für deine tollen Worte und die schöne Zusammenarbeit.